Das Mercator-Messer — eine wahre Geschichte
In unserem KOSMOS-Fachbuch erzählt H. Kern die Geschichte eines Messers, das über drei Generationen und zwei Weltkriege überlebte. Sie zeigt, was ein Messer für einen Menschen bedeuten kann:
„Im Jahr 1916 schickte mein Großvater Bruno Kern seinem Sohn Otto ein Stahl-Taschenmesser der Marke Mercator an die Front nach Frankreich. Dem damals jungen, erst 18-jährigen Soldaten leistete dieses gute alte Messer unzählige hervorragende Dienste.“
Im Juni 1917 wurde der Vater schwer verwundet und verlor sein Bein. Nach seiner Entlassung befand sich das Messer noch unter den wenigen persönlichen Dingen, die er mit in seine Heimat Görlitz nahm.
Als vierzehnjähriger Junge fand H. Kern das Mercator auf dem Dachboden, in einer alten Holztruhe. Er durfte es behalten. Dann kam der zweite Krieg:
„Als uns 1945 die Wehrmacht übernahm, hatte ich besagtes Messer immer noch wohlbehalten in meiner tiefen Manteltasche. Für mich bedeutete es ein Stück Heimat.“
In amerikanischer Kriegsgefangenschaft mussten alle Metallgegenstände abgegeben werden. Kern versteckte sein Messer am Körper. Es überstand alle Kontrollen. Und es diente monatelang allen Kameraden — es öffnete hunderte Konservendösen und teilte unzählige Brote, damit jeder seine gerechte Tagesration erhielt.
„Keiner hat mich je verraten oder wäre neidisch gewesen. Nun sind viele Jahrzehnte vergangen und das treue Stück hat mich tatsächlich bis in meine jetzige Heimat Köln begleitet. Ich bin froh und stolz, dass dieses besondere Erinnerungsstück noch immer seinen Zweck erfüllt.“
Das ist es, was ein Messer sein kann. Nicht ein Gebrauchsgegenstand, der in einer Schublade verschwindet. Sondern ein Stück Identität. Ein Messer, das man vererbt. Ein Geschenk, das bleibt.